Coffee, Code, Community

Ein Tag beim Dev Day Dresden mit Anni Seifert

05. Mai 2026: Wo kriege ich jetzt hier wohl einen Kaffee, frage ich mich, als ich in der Schlange vom Einlass in die Börse Dresden stehe. Zum wiederholten Male fand an diesem Tag der Dev Day statt, veranstaltet von der SECO (Software/System Engineering Community der Deutschen Telekom MMS). Schon vor einigen Jahren war ich auf diesem Event – noch während meiner dualen Studienzeit bei SandsteinNM – und heute komme ich als Senior Developer wieder. Irre cool.

Am Dev Day gibt es von morgens bis abends Workshops, Vorträge zu verschiedenen Tech-Themen werden gehalten und zwischendurch bleibt Zeit zum Netzwerken und Kaffee trinken. Den finde ich dann auch direkt hinter dem Einlass an der Theke.

Portrait einer lächelnden Frau

KI wird unsere Arbeit nicht ersetzen - aber unsere Art und Weise zu Arbeiten verändern

Pünktlich zur Keynote setze ich mich also in den Raum Hamburg. Die Veranstaltung ist inzwischen so sehr gewachsen, dass dieser Vortrag sogar noch in zwei weitere Messe-Räume gestreamt wird. Die Keynote wird in diesem Jahr von Golo Roden gehalten, der sich einen Namen mit Beiträgen im heise Magazin und als Gründer der native web GmbH gemacht hat. Ein sympathischer Mann mit grau meliertem Bart kommt auf die Bühne. Er hält eine schlichte, aber wirklich spannende Keynote, und seine witzigen und persönlichen Anekdoten lassen mich dem Ganzen interessiert folgen. Seine Präsentation trägt den Titel: „Wir reden über KI. Wir sollten über uns reden”. Was er mit seinem Vortrag rübergebracht hat: KI wird unsere Arbeit als Softwareentwicklerinnen und -entwickler zukünftig unterstützen, aber nicht gänzlich übernehmen.

Er erinnert uns daran, unsere eigenen Herangehensweisen zu hinterfragen, und uns nicht direkt auf die technologische Umsetzung eines Projektes zu stürzen, sondern im ersten Schritt die Fachlichkeit eines Projektes zu verstehen. Seine Aussagen haben mich tatsächlich inspiriert, in neuen Aufgaben und Projekten gelegentlich auch mal einen Schritt zurück zugehen – und von „Mit welchen Technologien kann ich die Anforderungen konkret umsetzen?" zu „Habe ich die Anforderungen eigentlich schon komplett erfasst und berücksichtigt?" zu wechseln. Am Ende der Keynote zeigt Golo Roden noch ein selbst entwickeltes Script, welches, mithilfe von Claude AI, Projektideen automatisiert in ein Konzept mittels Domain Driven Design umsetzt. Den Nerds im Saal gefällt das.

Logo des DevDay.26

Erste Hofpause - wer treibt sich hier noch so rum?

Nach der ersten Session strömen hunderte Gäste hinaus in die erste kurze Pause. Mir fällt auf, der Dev Day ist einer der wenigen Großveranstaltungen, wo man in der Pause auf der Frauentoilette nicht anstehen muss – cool eigentlich. Wenn ich mich draußen im Innenhof und auf den Gängen so umsehe, ist der Anteil an weiblichen Teilnehmenden wirklich gering. Nach wie vor scheint die informationstechnologische Branche ein Feld mit einem sehr kleinen Frauenanteil zu sein. Es wundert mich zwar nicht, weil es dem Vorurteil des männlichen Computernerds in seinem Coder-Keller entspricht, und trotzdem möchte ich mir kurz eine Zukunft mit mehr weiblicher Coding-Superpower vorstellen.

Nach wie vor scheint die informationstechnologische Branche ein Feld mit einem sehr kleinen Frauenanteil zu sein. Ich wünsche mir eine Zukunft mit mehr weiblicher Coding-Superpower.

Anni, Entwicklerin bei SandsteinNM

Ich bin nun seit fast zehn Jahren in der Branche und habe als Frau in einer männerdominierten Domäne nie negative Erfahrungen gemacht – ich habe mich immer gesehen und gehört gefühlt. Ich wurde auch neben den Kollegen immer nach meiner Meinung zu Themen gefragt und nie wurde mir irgendetwas nicht zugetraut. Auch am Dev Day fühle ich mich wohl zwischen all den Gleichgesinnten. Allerdings scheint sich draußen beim Networken keiner der Nerds zu trauen, eine alleine umherziehende Frau anzusprechen. Auch ok, denn die nächsten Sessions gehen los.

Bis zum Abend lässt sich nun immer zwischen sechs verschiedenen Sessions wählen und so lässt sich das Programm und der Input individuell zusammenstecken. Zwei weitere sind mir dabei an diesem Tag noch im Gedächtnis geblieben.

Wenn Programmieren politisch wird

„Der ALASCA-Tech-Stack: Souveräne Clouds durch Open Source” wurde von Marius Feldmann vorgestellt, Vorsitzender der ALASCA e.V. Als gemeinnütziger Verein treiben sie die Entwicklung von Open-Source-Software zum Aufbau und Betrieb von Cloud-Umgebungen voran. Souveränitat von Cloud-Provider-Standorten, Maintenance von ready-to-use Projekten, Wissenstransfer in der Community - Ich hatte vor diesem Vortrag gar nicht auf dem Schirm, dass Open Source ein so politisches Thema ist, und freue mich, morgen mit den Kolleginnen und Kollegen im Büro noch weiter darüber zu debattieren.

Ich hatte mich auch für diese Session entschieden, weil ich Marius Feldmann noch als Dozent von meiner Zeit als Studentin an der Dualen Hochschule Dresden kenne. Ich habe seine engagierten Vorlesungen in positiver Erinnerung behalten. Er gab sich größte Mühe, uns inhaltlich und thematisch alle abzuholen, wenn wir ihn mit großen Fragezeichen in den Augen ansahen und weckte damit wirklich großes Interesse für seine kreativen Unterrichtsinhalte.

Einmal baute er uns ein kleines Netzwerk aus Raspberry Pis im Unterrichtsraum auf und ließ uns uns gegenseitig darüber versuchen zu hacken (natürlich nur zu wissenschaftlichen Zwecken). Wie cool ist das denn? Überhaupt habe ich die Entscheidung zum dualen Medieninformatik-Studium bei SandsteinNM wirklich nie bereut. Es erfüllte mein Bedürfnis nach kreativem Arbeiten, genauso wie meine Vorliebe für Logik, Knobeln und analytischem Denken. Bis heute finde ich diese Teilbereiche genau so in meiner täglichen Arbeit wieder und habe bei SandsteinNM einen Platz gefunden, mich zu entfalten und weiterzuentwickeln. Inzwischen ist die Stelle für das Studium bei uns wieder frei und ich unterstütze inzwischen dabei selber als Ausbilderin.

Von der kleinen Studi-Maus zur Lead Dev in meinen eigenen Projekten

Deshalb nahm ich ebenfalls an der Session „Zehn goldene Regeln, um dein Softwareprojekt zuverlässig zu ruinieren" teil, geführt von Andreas Monschau. Es war davon auszugehen, dass der Titel sarkastisch gemeint war und er teilte reichlich Anekdoten aus vergangenen Projekten seiner Consulting Firma Haeger Consulting aus Bonn mit uns. Am Ende entstand eine spannende Diskussion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der offenen Fragerunde – andere Erfahrungen aus Projekten mit denselben Herausforderungen, viele Ideen, diese zu meistern: Doku mit KI, gute Onboarding-Prozesse, Scrum oder nicht Scrum, tagsüber oder nachts besseren Code schreiben – jede gehobene Hand brachte einen anderen Impuls. Wie ich es selber in meinen Projekten umsetzen werde? Das zeigen die nächsten zehn Jahre.

Mein Notizheft war voll mit neuen Ideen und Impulsen zu „Ich hab gesehen, wie die anderen das machen" für die Kollegschaft im Büro am nächsten Tag. Mein Herz war voll mit einem wohligen Gefühl, Teil dieser tollen Community zu sein. Ich fuhr bei bestem frühsommerlichen Abendwetter die Flutrinne entlang wieder nach Hause.

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