Was ist ein Webfont?

Ein Webfont ist eine digitale Schriftart, die auch ohne Installation auf den entsprechenden Endgeräten im Web dargestellt werden kann. Dafür wird der Webfont im Quelltext einer Seite via CSS referenziert. Das heißt Struktur (HTML) und Aussehen (CSS) werden zueinander in Beziehung gesetzt, zum Beispiel über den Befehl »@font-face {font-family: NamedesWebfonts; src: url("NamedesWebfonts.dateiformat")... }«.

Bezugsquellen

Viele Webfonts sind frei erhältlich in Schriftportalen wie beispielsweise Google Fonts. Alternativ dazu können sie von Webdesignern oder Schriftenhäusern (Font Foundries) gekauft oder gemietet werden.

Einen Weg, diese Webschriften einzubinden, ist die Verwendung der JavaScript-Bibliothek Web Font Loader. Hier wird der Inhalt mit einer sogenannten Fallback Schrift (eine Systemschrift wie etwa Arial oder Times New Roman) angezeigt, bis der Webfont geladen wurde. Dadurch sind Inhalte sofort sichtbar – auch bei langsamen Verbindungen.

Inhalte sind sofort sichtbar. Bei langsamer Verbindung wird während der Ladezeit des Webfonts dem Nutzer eine Fallback Schrift angezeigt.

Font Hinting

Die Darstellung eines Webfonts kann aufgrund individueller Faktoren wie Browser, Betriebssystem oder Grafikkarte variieren. Ebenso hat das Font Hinting Einfluss auf die Darstellungsqualität einer Schrift. Hints sind digitale Zusatzinformationen, mit deren Hilfe die Charaktermerkmale eines Webfonts auch bei kleinen Schriftgraden oder groben Auflösungen im Wesentlichen erhalten bleiben.

Google Fonts und Datenschutz

Im Januar 2022 urteilte das Landgericht München, dass die dynamische Einbindung der Webfonts von US-Webdienstleistern ohne die Einwilligung der Nutzer und Nutzerinnen einer Webseite gegen die Datenschutzverordnung verstößt. Beim Laden von Google Fonts wird mit dem Aufruf der Schriftart zumindest kurzzeitig eine Verbindung zu den Servern des Suchmaschinen-Primus hergestellt. Das Problem: Die IP-Adresse des Nutzers wird dabei übertragen und landet ohne Anonymisierung und Genehmigung auf einem US-Server.

Webfonts lokal hosten

Um eine Webseite auf der rechtlich sicheren Seite zu betreiben, empfiehlt es sich somit, Google Fonts für die Verwendung direkt herunterzuladen und lokal im Webauftritt zu speichern. Wird die Schriftart vom eigenen Server geladen, erübrigt sich später eine Verbindung zu Google von Nutzerseite. Bei WordPress-Webseiten bietet sich hier zur schnellen Abhilfe die Verwendung eines Plug-ins an, welches diese Aufgabe automatisch übernimmt, zum Beispiel OMGF. Allerdings sind nicht für jedes CMS derartige Plug-ins vorhanden. In diesem Falle werden die heruntergeladenen Webfonts manuell im Font-Ordner der Webseite abgespeichert. Anschließend muss der Ladeprozess der Schriftart über diesen Ordner und die heruntergeladene Datei laufen. Keinesfalls sollten noch URLs zu Google Fonts hierfür genutzt werden.

YouTube Videos und ReCAPTCHA

Vorsicht ist ebenfalls beim Einbinden externer Dienste geboten: So laden per iframe eingebettete YouTube-Videos und der Service reCAPTCHA für deren Darstellung Google Fonts vom Google Server. Die lokale Einbindung der Fonts verhindert das externe Laden der Webfonts in diesem Falle nicht. Beim Laden der Schriften werden auch personenbezogene Daten, nämlich die IP-Adressen von Nutzern und Nutzerinnen, erfasst. Hier muss vor dem Aufruf des Videos das Einverständnis der Nutzer und Nutzerinnen eingeholt werden. Sicherer ist hier das Ausweichen auf vergleichbare Dienste, die auf das Laden externer Schriftarten verzichten.

Zur Verwendung von nicht Google eigenen Webfonts wurden bislang noch keine uns bekannten gerichtlichen Urteile gefällt. Für eine verbindliche Auskunft hierzu und allgemein zu der Verwendung von Webfonts kontaktiert man im besten Falle einen fachkundigen Juristen.

Unser Fazit

Mit Webfonts genießen Webdesigner mehr gestalterische Freiheit in Bezug auf die Typografie, da es keine Beschränkung auf System-Schriften mehr gibt. Ein individueller Webfont erhöht den Wiedererkennungswert und ist damit ein wichtiger Bestandteil Ihrer Corporate Identity.

Auch in Sachen Usability können Webfonts punkten: Sind individuelle Schriften als Webfont und nicht in einem Bild hinterlegt, so können sie von Screenreadern besser ausgelesen werden und sind damit barrierearm und suchmaschinenfreundlich. Darüber hinaus lassen sich Webfonts flexibel anpassen.

Mögliche Geschwindigkeitsverluste werden umgangen, indem wir Alternativschriften für schwächere Geräte hinterlegen. Die Anpassung an die Gerätevoraussetzungen kann je nach Kundenwunsch fein abgestimmt werden.

Auch Firewalls können das Laden der Schriften verhindern, da sie die Website bzw. die Webfonts blockieren können. Auch für diesen Fall bietet es sich an, schon in der Konzeptionsphase eine Fallback Schrift einzuplanen.

Eines steht fest: Der Implementierung eines Webfonts sollten immer sorgfältige Überlegungen und Tests vorausgehen, um die Nutzerfreundlichkeit zu gewährleisten – insbesondere dann, wenn es um die Verwendung auf mobilen Endgeräten geht.

Wir beraten Sie gerne zum Thema Webfonts!

Susanne Aurin

Susanne AurinLeitung Grafikdesign