Baselitz, Richter, Polke, Kiefer

Buchcover » Baselitz, Richter, Polke, Kiefer · Die jungen Jahre der Alten Meister«
Götz Adriani

Die jungen Jahre der Alten Meister

Herausgeber: Staatsgalerie Stuttgart; Deichtorhallen Hamburg
342 Seiten, 360 Abb., farbig und sw
30,5 x 23,5 cm, Festeinband
48 €

Vier Künstler aus Deutschland, die zu jung waren, um selbst Schuld auf sich zu laden und alt genug, um die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs deutlich zu spüren: In den 1960er Jahren, dem Jahrzehnt der Reaktion und Rebellion, der Heraus­forde­rungen und Umbrüche, der Utopien und Neu­orien­tie­rungen legten Baselitz, Richter, Kiefer und Polke die Basis für ihr Werk.

In Gesprächen mit Götz Adriani äußern sie sich über ihre Arbeit in dieser Zeit, in der zwar das Naziregime und die schlimmsten Schäden des Krieges beseitigt waren, nicht jedoch deren geistige Wurzeln. Das Buch bietet einen neuen und umfassenden Blick auf ihre frühen Werke, auf ihre je eigene Ausein­ander­setzung mit der ästhe­tischen Vorherr­schaft der abstrakten Kunst und mit dem gesell­schaft­lichen und poli­tischen Umfeld der frühen Bundes­republik.

Georg Baselitz

»Die Realität ist das Bild, sie ist ganz sicher nicht auf dem Bild.« (Georg Baselitz 1975)

Baselitz Helden sind voller Brüche. Seine Heldenreihe zeigt die zurückgekehrten Krieger, ihr übergroßer Penis ist das einzige, das ihnen noch geblieben ist. Sie tragen keine Uniformen mehr und sind zu »Unhelden« geworden. »Obwohl die Helden-Bilder vielleicht das Beste sind, was ich je gemalt habe, hat die Umkehrung Türen geöffnet (...). Das Sichtbare ist das Umgekehrte.«

Gerhard Richter

Richter arbeitete mit banalen Vorlagen: Er malte Bilder aus Illustrierten ab. »Es ging mir keinesfalls um politische oder familiäre Inhalte, sondern um die Banalität und Doppelbödigkeit des Quellenmaterials.« So zeigt Richters gemalte Familie am Meer vordergründig ein Familien-Idyll – gleichzeitig steht sie jedoch exemplarisch für die Verstrickung jeder Familie in das grausame System des Nazi-Terrors.

Sigmar Polke

Polke reflektiert in seinen frühen Bildern die Wirtschaftswunderjahre, mit der Rastertechnik verbindet er die Technik des Klischees. Seine Bilder balancieren zwischen dem Gefühl »Wir sind wieder wer«, bürgerlicher Spießigkeit und Geschichtsvergessenheit. Seine Motive aus Illustrierten und Zeitschriften zeigen » wie abhängig man ist von vorgefaßten Formen, wie unfrei im Tun und Denken, und daß man ständig auf Vorhandenes zurückgreift«. (Sigmar Polke 1966)

Anselm Kiefer

Anselm Kiefer rechnete radikal und anzüglich mit den Erinnerungslücken der Nachkriegszeit ab: In seinen »Besetzungen« posiert er auf menschenleeren Plätzen an geschichtsträchtigen Orten mit dem Hitler-Gruß. »Es ging mir damals weniger um Provokation als um Selbsterfahrung. Ich wollte am eigenen Leib erfahren, wie sich das anfühlt und wie ich mich verhalten hätte.«

Zur Austellung

»Baselitz, Richter, Polke und Kiefer schufen die Voraussetzungen dafür, dass die Kunst und nicht mehr der von Paul Celan beschworene Tod ›ein Meister aus Deutschland‹ werden konnte.« (Götz Adriani)
Mit insgesamt 112 frühen Hauptwerken nimmt die Sonderausstellung die spektakulären 1960er-Jahre in den Fokus. In diesem kreativen und produktiven Zeitraum haben die vier Künstler Baselitz, Richter, Kiefer und Polke die Grundlagen für ihren Erfolg gelegt, der sie in Deutschland wie auch im Ausland zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Kunstszene machte.

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Meike Griese-Storck

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